Bunte Kisten und bewusste Prozesse

in-kind blickte bei einem Besuch im Carla Krems, dem Secondhand Shop der Caritas, hinter die Kulissen von Sachspenden und Sortierprozessen – und nahm wichtige Impulse mit, von denen die beiden INNA-Award Siegerinnen auch in ihrem Projekt profitieren können.

Bunte Kisten, klar getrennt nach Warengruppen. Steckergeräte anders als batteriebetriebene, Spielzeug anders als Textilie. Jedes einzelne Stück wird geprüft, weil das die Erwartung an Second-Hand-Waren ist und sonst nicht verkauft werden kann. Auch Puzzle mit bis zu 1.000 Teilen.

An anderer Stelle wird gewogen. Eingehende und ausgehende Spenden. Auch jene, die nicht verwendet werden können.

Einige Schritte weiter werden Kleidungsstücke in die Hand genommen. Gedreht, geprüft, aussortiert. Flecken, kaputte Reißverschlüsse, ausgeleierte Bündchen. Entscheidungen werden in Sekunden getroffen. Von Menschen.

Gerade bei Textilien wird der Aufwand sichtbar. Jedes Stück wird mehrfach in die Hand genommen: bei der Annahme, im Arbeitsbereich, später beim Bepreisen, Aufhängen und Einräumen. Was kaputt ist, muss aussortiert werden. Nur bestimmte Materialien, etwa Baumwolle, können noch zu Putzlappen weiterverarbeitet werden. Alles andere, was nicht geeignet ist, verursacht trotzdem Aufwand und Kosten. Und auch das gehört zur Realität.

Im Lager: große Boxen, beschriftet mit Papier. Nach Bereichen und Saisonen, geordnet wie Kinderland, Sommer oder Weihnachten. Ein System, das weitgehend ohne digitale Bestandsführung auskommt und dennoch Orientierung schafft.

Digitalisierung im Bereich Sachspenden war das zentrale Thema des Austauschs. Erste Use Cases zeichnen sich bereits dort ab, wo Daten erfasst werden oder künftig benötigt werden, und in Prozessschritten, die heute mehrfach oder parallel durchgeführt werden.

Der Rundgang und der Austausch mit Monika Steiner und Alois Fuchs sowie den Mitarbeitenden im Secondhand Laden und im Caritas-Lager in Krems waren alles andere als ein Spaziergang.

Zwischen Annahme, Sortierung, Lager und Verkaufsfläche entstehen Abläufe, die ineinandergreifen. Analog und digital. Arbeitsabläufe, die über Jahre gewachsen sind. Doch diese Prozesse folgen nicht ausschließlich Effizienzlogiken. Sie sind bewusst so gestaltet, dass sie Menschen einbinden: als Beschäftigung, als motorische Trainingsmöglichkeit und als Teil eines inklusiven Arbeitsumfelds, um Selbstständigkeit zu erleben, mit oder ohne Unterstützung.

Was wir mitnehmen: Nicht alles, was optimierbar erscheint, ist automatisch verbesserungsbedürftig. Und nicht jede Lösung beginnt mit Technologie. Die bunten Kisten am Anfang sind kein Provisorium. Sie sind Teil eines Systems, das funktioniert.

Bereichert wurde der Austausch durch den Blick von außen und die Fragen von Julia Szenthe, Studentin am IMC Krems, sowie durch die vertieften Einblicke in interne Abläufe von Annika Urbanitsch von der Caritas St. Pölten und NÖ-West.

Wir freuen uns bereits auf den weiteren Austausch.